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Dagmar Vogt

„Ich glaube an die Zukunft der regenerativen Energien und mit meinem eigenen Unternehmen kann ich diese Vision am besten in den Markt tragen“ 

Dagmar Vogt gründet 2002 im Alter von 38 Jahren in Berlin ein Dienstleistungsunternehmen für die Beratung und Realisierung von Photovoltaik-Fabriken. Nur acht Jahre später bündelt die vogt group als Europäische Aktiengesellschaft unter ihrem Dach weitere Niederlassungen in den USA, Großbritannien und Spanien und hält sich trotz Branchenkrise unter den Top-Playern am Markt.

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Einmal zu den ersten Adressen für die Planung und Realisierung von Photovoltaik-Fabriken zu gehören – in jungen Jahren lag eine Vision wie diese Dagmar Vogt eher fern. „Ich bin als Kind mit Greenpeace und den Grünen zwar gewissermaßen aufgewachsen und der Umweltschutz war schon immer ein Herzensthema für mich, aber daran, einmal ein eigenes Unternehmen zu gründen, habe ich lange Zeit überhaupt nicht gedacht“, erzählt die engagierte Wahlberlinerin. Aufgewachsen in Ostfriesland, studiert sie Chemieingenieurwesen und Biotechnologie in Emden und Oldenburg und hat ganz konkrete Vorstellungen, wie ihr Einstieg ins Berufsleben aussehen soll: „Ich wollte für ein mittelständisches Unternehmen arbeiten, das Projekte im Umweltschutz realisiert, und das auf jeden Fall in einer Großstadt und nicht in der Provinz.“

In den späten 1980-er Jahren, der Mauerfall ist noch nicht in Sicht, ist Berlin für viele Ingenieure eine Insel im Niemandsland und eine Fachorganisation wirbt gezielt für den Standort und um die Absolventen der Ingenieurwissenschaften. „Es gab damals ein Projekt, in dessen Rahmen Jungingenieure als Technologieassistenten arbeiten konnten und parallel dazu von der Organisation betreut wurden. So bin ich in Berlin gelandet“, erzählt Dagmar Vogt. Die junge Frau zieht nach West-Berlin und arbeitet zunächst für eine Firma, die im Großanlagenbau tätig ist und Erweiterungen von Heizkraftwerken nach Umweltschutzgesichtspunkten realisiert. In der Anfangsphase noch mit Zuarbeiten für die Projekte betraut, gewinnt Dagmar Vogts Karriere schnell an Fahrt und sie übernimmt bald eigene Projekte, steigt Schritt für Schritt auf. Erste Freiberuflichkeit als Ausweg aus der Karrierefalle„Ich hatte eine klare Zukunftsvorstellung, aber die passte nicht in die damalige Zeit, denn Anfang der 1990-er Jahre waren die Karrieremöglichkeiten für Frauen in Ingenieurberufen noch sehr begrenzt“, erzählt die Unternehmerin. Aber die damals 27-Jährige lässt sich so leicht nicht ausbremsen. Als man ihr in Bewerbungsgesprächen immer wieder trotz überzeugender Vita empfiehlt, doch in ein paar Jahren wiederzukommen, wenn ihre Familienplanung abgeschlossen sei, ist das Maß für die engagierte Ingenieurin voll: „Ich habe an mich geglaubt, wusste, was ich kann, und dachte mir, dann mache ich eben selber etwas.“ Und so macht sich Dagmar Vogt 1991 als freiberufliche Beraterin im Anlagenbau und Projektmanagement selbstständig. Die Zeiten sind gut für Ingenieurinnen im Umweltwesen, denn durch die Wiedervereinigung stehen im Berliner Umland zahlreiche Sanierungsprojekte auf der Agenda, beispielsweise wenn Klärwerke aus dem Bestand mit den neuesten Umwelttechnologien ausgestattet werden.

Auf Basis ihrer bereits bestehenden Kontakte baut sich die Unternehmerin in eigener Sache Netzwerke auf. Sie schließt sich mit anderen Freiberuflern zusammen und realisiert Projekte im Anlagenbau. 1998 kommt sie durch eine erste Konzeptstudie tiefer mit der Solarindustrie in Kontakt und fängt Feuer. „Im Laufe der kommenden Jahre wurde der Bereich regenerative Energien immer wichtiger und ich dachte mir: Jetzt bist du schon dran an dem Thema, dann muss da auch etwas passieren.“ Und so fällt 2002 in Berlin der Startschuss für die ib vogt GmbH. Zu diesem Zeitpunkt ist Dagmar Vogt mit ihrem Netzwerk längst gut im Geschäft und hat auch erste eigene Mitarbeiter, merkt aber auch, dass die losen Netzwerkstrukturen bei Projekten immer wieder auch Aufbauarbeit bedeuten und der Markt langsam reif ist, um dort als „richtiges“ Unternehmen aufzutreten.

„Die Technologiebranche bietet für Frauen hervorragende Zukunftsaussichten. In vielen natur- und ingenieurwissenschaftlichen Studienfächern stellen Frauen bereits die Hälfte der Studierenden, doch schlägt sich dieser Anteil noch nicht bei den Unternehmensgründungen nieder. Von den 17.200 High-Tech-Gründungen, die in Deutschland im Jahr 2007 erfolgten, wurden lediglich etwa acht Prozent von Frauen gegründet, so dass hier noch große, bisher ungenutzte Potenziale liegen. Die BMBF-Initiative NEnA – Nano-Entrepreneurship-Academy – möchte Naturwissenschaftlerinnen durch die Zusammenführung mit innovativen und erfolgreichen Unternehmerinnen wie Dagmar Vogt Mut machen, über Selbstständigkeit, den Ausbau eigener Forschungsideen für mögliche Märkte nachzudenken und als berufliche Option für ihren Lebensweg zu prüfen. Um die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland auch in den kommenden Jahren sicherzustellen, ist es in besonderem Maße wünschenswert, dass Frauen verstärkt ihre hohe Kompetenz in die Technologiebranche einbringen und diese auch in Form von Unternehmensgründungen mitgestalten“, so Prof. Ralf Wehrspohn, Projektleiter der bundesweiten Gründungs-Initiative NEnA.

Große Visionen erfordern einen belastbaren Businessplan
Der Aufbau der GmbH fällt Dagmar Vogt nicht schwer. Nach elf Jahren Selbstständigkeit als Freiberuflerin, die es gewohnt ist, große Projekte zu managen, kann sie diese Expertise nahtlos auch bei der eigenen Gründung nutzen. „Die Gründung hat dafür gesorgt, dass meine Visionen noch einmal eine ganz andere Qualität bekommen haben, denn beim Aufbau eines Unternehmens muss man sehr strukturiert vorgehen und auch überlegen, wie man sehr branchenspezifische Ideen so übersetzt, dass sie auch für die Banken nachvollziehbar sind“, erzählt die Solarunternehmerin.

Um die Finanzierung zu stemmen, berät sie sich mit den Beratern der Berliner Volksbank, die noch heute Hausbank der vogt group ist, und informiert sich bei der Bürgschaftsbank Berlin-Brandenburg und der Investitionsbank Berlin. „Im Rückblick betrachtet war die Finanzierung einfach, doch es war für mich auch ein Lernprozess damit verbunden, bis ich alle Unterlagen entsprechend aufbereitet und einen Überblick über mögliche Fördermittel hatte“, so die Unternehmerin. Die 200.000 Euro für den Start der GmbH finanziert sie mit einer Mischung aus Unternehmerkredit, Mitteln der „Gemeinschaftsaufgabe Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ und einer Investitionszulage. Als Dienstleisterin braucht Dagmar Vogt dieses Startkapital vor allem für die Ausstattung der Arbeitsplätze, aber auch zur finanziellen Überbrückung der Zeit, bis die neu eingestellten Arbeitskräfte, die mehrere Wochen firmenintern auf ihre Tätigkeiten vorbereitet werden, produktiv sind. „Die Fördermittel waren für den Aufbau sehr wichtig, denn hier sind die Zinssätze günstig und im Dienstleistungssektor sind die Margen nicht sehr hoch“, sagt die Projektmanagerin.

„Hinter der Initiative NEnA steht ein bundesweites und international wirksames Netzwerk von über 150 Expertinnen und Experten aus Gründungsförderung und -beratung als persönliche Ansprechpartner/-innen zur Verfügung und helfen Gründerinnen dabei, im Angebot an finanziellen Fördermöglichkeiten für sie in Frage kommende Programme zu finden. Darüber hinaus ermöglichen über 300 Naturwissenschaftlerinnen unseres Karrierenetzwerkes nano4women persönliche Wege und Gespräche für die weitere persönliche Zukunft “, so NEnA-Projektleiter Prof. Wehrspohn.

Auf die Gründung folgt bald die Expansion
Dagmar Vogt gründet in einer Zeit, als die Solarbranche beginnt, in Deutschland Fahrt aufzunehmen. Sie unterstützt Unternehmen, die Solarzellen produzieren, bei der Planung und Realisierung ihrer Fabriken, begleitet deren Aufbau und steht den Kunden auch im laufenden Betrieb als Projektpartnerin zur Seite. Von großen Wettbewerbern aus der Energiebranche wird das Thema regenerative Energien um die Jahrtausendwende noch eher belächelt, was für Dagmar Vogt die Chance ist, ihre Firma in eine gute Startposition zu bringen. Sie baut sich schnell eine Referenzliste auf, auf der bekannte Anbieter wie Q-Cells zu finden sind, und betreut einen Großteil der Photovoltaik-Projekte, die im „Solar Valley“ in der Region Bitterfeld entstehen. Zugute kommt der Unternehmerin auch ihr Weitblick, denn sie positioniert das Unternehmen über die gesamte Wertschöpfungskette: „In einzelnen Segmenten gibt es natürlich verschiedene Wettbewerber am Markt, aber mit unserer Aufstellung über das gesamte Leistungsportfolio haben wir in Deutschland nur einen direkten Konkurrenten“, so die heute 46-Jährige.

Das Konzept geht auf und Dagmar Vogt verdoppelt in der Anfangszeit jedes Jahr die Zahl ihrer Mitarbeiter und das Umsatzvolumen. 2007 gründet sie Tochtergesellschaften in London und San Francisco, 2008 eine Tochter in Madrid sowie eine weitere in Berlin, in der sie die Begleitung der Kunden im Produktionsbetrieb sowie die Prozessoptimierung zusammenfasst. Ab 2008 werden alle Gesellschaften unter dem Dach der vogt group, die als Europäische Aktiengesellschaft firmiert, gebündelt. Ein rasanter Aufstieg, den die Unternehmerin nicht zuletzt auf ihre große Vision zurückführt: „Ich lebe für regenerative Energien und für die Erhaltung des Planeten, anders hätte ich das, was ich in den letzten Jahren aufgebaut habe, auch gar nicht erreicht.“

„Die Ausrichtung der Geschäftsstrategie ist essenziell für den späteren Erfolg eines Unternehmens. Gerade in der Technologiebranche gibt es viele Nischenmärkte, die von großen Unternehmen anfangs eher zögerlich angegangen werden, so dass sich hier besondere Geschäftschancen für innovative Neugründungen auftun. Gerade deshalb kann die Gründung eines eigenen Unternehmens für Frauen, die in der Technologiebranche über besondere Expertise verfügen, eine reizvolle Alternative zu einer Anstellung sein. NEnA unterstützt angehende Gründerinnen auf dem Weg der Entscheidungsfindung und bei den ersten Schritten am Markt“, so Prof. Wehrspohn.

In der Krise die Chance sehen und weiter machen
Bei allen Erfolgen – die Wirtschafts- und Finanzkrise trifft auch die Solarbranche mit voller Wucht, denn viele Firmen verschieben Projekte, und die von der Bundesregierung realisierten Subventionskürzungen verstärken den Abschwung. Für Dagmar Vogt keine leichte Zeit, muss sie selbst doch auch einige Mitarbeiter entlassen. „Das war ein harter Schlag, wenngleich mir auch viel Bewunderung, nicht zuletzt von den Mitarbeitern, entgegengebracht wurde, weil wir durchgehalten haben“, erzählt Dagmar Vogt. Nach Umsätzen, die sich in den besten Zeiten im zweistelligen Millionenbereich bewegt haben, rechnet die Solarunternehmerin 2010 damit, mit ihren 85 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Umsatz von acht Millionen Euro zu stemmen. Mit neuen Projekten, unter anderem in der Türkei und Indien, stärkt Dagmar Vogt die Unabhängigkeit der vogt group von der Nachfrage in Deutschland und erobert neues Terrain. Die negative Stimmung am deutschen Markt beeindruckt sie da wenig: „Die alten Mächte der Energiebranche bäumen sich hier noch einmal auf, aber ich mache mir um die Zukunft keine Sorgen, denn ich habe die Gewissheit, dass wir aufgrund der zur Neige gehenden Öl- und Kohleressourcen alternative Stromquellen brauchen.“

Allein unter Männern – ein Alleinstellungsmerkmal, das hilft
Als Frau in einer eher männerdominierten Branche hat Dagmar Vogt sich von Anfang an problemlos behauptet: „Als ich gegründet habe, war ich ja schon eine gestandene Frau und habe mir nichts vormachen lassen.“ Einige der wenigen Frauen in einer Männerdomäne zu sein, bringt auch Vorteile, denn: „Wenn sie bei einer Veranstaltung die einzige Frau sind, wird sich jeder hinterher an sie erinnern.“ Im Geschäftsalltag setzt die 46-Jährige nicht nur auf große Visionen, sondern auch auf ein gutes Betriebsklima: „Als wir 2008 von der Initiative Top Job zu einem der hundert besten Arbeitgeber im Mittelstand gekürt wurden, war das für mich ein großartiger Moment, denn die Auszeichnung zeigt, dass die Mitarbeiter sich hier wirklich wohlfühlen.“ Aufgrund der Negativerfahrungen, die Dagmar Vogt zu Beginn ihrer eigenen Ingenieurinnenlaufbahn machte, ist es der Unternehmerin heute besonders wichtig, elternfreundliche Arbeitsbedingungen zu schaffen. Sie selbst hat sich zwar gegen die Gründung einer Familie entschieden, unterstützt aber ihre Mitarbeiterinnen, die Kinder haben, dabei, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. „Wenn die Kita mal geschlossen hat oder ein Kind krank ist, können meine Mitarbeiterinnen problemlos auch von zu Hause aus arbeiten. Darüber hinaus haben wir Teilzeitmodelle und bei unseren internen Kreativworkshops kommt es schon einmal vor, dass auch Kinder dabei sind“, so die Unternehmerin. Ihre große Vision für die nächsten Jahre: „Eine wichtige Rolle dabei zu spielen, den Markt der regenerativen Energien weiter auszubauen und damit auch dazu beizutragen, dass die Macht im Energiesektor durch die dezentralen Strukturen, die durch die Solarversorgung entstehen, wieder mehr in die Hände der Bürger gelangt.“

Zur Unternehmenswebsite: www.vogtgroup.com