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Katharina Seiffe

Von der Uni direkt ins eigene Unternehmen: „Was ich mache, fühlt sich absolut richtig an“

Von der Uni direkt ins eigene Unternehmen – für die 26jährige Katharina Elisabeth Seiffe war nach dem Studium schnell klar, dass eine Existenzgründung ihr alle Entfaltungspotenziale eröffnen würde, die sie sich für ihre berufliche Laufbahn schon immer gewünscht hatte. Also ergriff sie die Gelegenheit beim Schopf: Anfang 2007 gründete sie mit zwei Mitstreitern die Bioregeneration GmbH in Garching, die mit Medizinprodukten aus Xellulin, welche bei Implantationen beispielsweise als Ersatz für Blutgefäße eingesetzt werden können, den Markt für Implantate revolutionieren möchte.

Katharina Elisabeth Seiffe

Wunsch nach greifbaren Ergebnissen als Antrieb
Ihren Hang zur unternehmerischen Praxis und vor allem zu greifbaren Ergebnissen entdeckte Katharina Seiffe schon im Laufe ihrer Ausbildung. So nutzte sie während ihres Studiums der Werkstofftechnik an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg und ihres anschließenden Master-Studiums in Medizintechnik an der TU München jede Gelegenheit, um in Firmen Praxisluft zu schnuppern und ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Tat umzusetzen. Ihre Diplomarbeit machte sie bei DaimlerChrysler, ihre Master-Arbeit über Polymere und deren Einsatzfähigkeit als Verpackung für Nährlösungen entstand bei der ITEM GmbH, einem Garchinger Inkubator, für den die 26-Jährige auch als Werksstudentin tätig war. „Ich brenne für die Forschung, aber mir war es schon immer wichtig, dass daraus auch etwas Konkretes wird. Deshalb habe ich jede Gelegenheit genutzt, um schon früh mit Unternehmen in Kontakt zu kommen“, sagt die Ingenieurin.

Mit ihrem Top-Abschluss in der Tasche warteten rosige Job-Aussichten in der boomenden Nano- und Biotechnologiebranche auf die junge Absolventin, doch sehr schnell kristallisierte sich heraus, dass sie lieber zur Unternehmerin in eigener Sache werden würde. „Bei ITEM habe ich den Biologen Dr. Günter Bertholdt kennengelernt, der daran forschte, wie man aus Xellulin Implantate enwickeln kann. Diese Idee hat mich spontan begeistert und nach relativ kurzer Zeit waren wir uns einig, dass wir zur Entwicklung und Vermarktung gemeinsam ein Unternehmen gründen wollen“, erzählt Katharina Seiffe. Ein besonderer Pluspunkt des geplanten Projekts: „Ich habe hier die Möglichkeit, alle meine Kenntnisse aus den Bereichen Werkstoff- und Medizintechnik sowie Nanotechnologie zu bündeln und daraus etwas zu machen.“ Nach kurzer Rücksprache mit den Eltern, die ihrer Tochter nicht nur emotionale Unterstützung, sondern auch eine finanzielle Beteiligung für die Sicherung des Lebensunterhalts in der Aufbauphase signalisierten, war der Weg frei für die Gründung.

Team-Gründung erweitert den Pool der Expertise
Katharina Seiffe und Dr. Günter Bertholdt holten sich als dritten im Bunde den ebenfalls frisch graduierten Michael Hofinger ins Team, der die Mannschaft durch seine Expertise in molekularer Biotechnologie ergänzte. Im März 2007 war es endlich soweit, und die Firma bioregereation GmbH wurde gegründet. Günter Bertholdt verfügt über langjährige Industrieerfahrung, lieferte das Startkapital und ist die Idealbesetzung als Geschäftsführer, Katharina Seiffe und Michael Hofinger sind jeweils mit der Technologie- und Produktentwicklung betraut. Es ist jedoch so, dass jeder im Team viele Aufgaben gleichzeitig bewältigen muss und dass alle wichtigen Entscheidungen durchdiskutiert und gemeinsam beschlossen werden. „Wir ergänzen uns sehr gut, aber jeder ist bereit, auch den anderen zu vertreten, wenn es nötig ist. Ich selbst bereite mich aktiv darauf vor, mir das entsprechende Know-how anzueignen, um kompetent Führungsaufgaben übernehmen zu können“, erklärt die Jungunternehmerin.

Innovative Forschung und Entwicklung – Patentanmeldung als Absicherung: Xellulin-Implantate könnten die Gefäßchirurgie revolutionieren
Gegenwärtig lässt die Investorensuche die drei Gründer permanent zwischen Labor, Schreibtisch und Businessplan-Präsentationen pendeln, denn das eingebrachte Gesellschafterkapital reicht gerade aus, um die Miete für Laborkapazitäten bei ITEM und ein kleines Büro zu finanzieren. Bis zum endgültigen Produkt ist es noch ein weiter Weg, denn bis die Xellulin-Implantate einmal Marktreife erreichen, dürften gut und gerne noch fünf Jahre verstreichen. Umso wichtiger ist es für das Gründer-Team, das nach außen völlig gleichberechtigt auftritt, potenziellen Kapitalgebern die einzigartigen Chancen seines Produkts zu verdeutlichen. „Xellulin besteht aus Nano-Fasern, die von Bakterien hergestellt werden. Wir sind dabei, eine neue Art von Nano-Technik zu entwickeln, die auf der Nutzung mikrobieller Prozesse beruht.. Da die knorpelartige Substanz nur aus Wasser und Zucker besteht, wird sie vom Körper gut angenommen und ist als Ersatz für Blutgefäße ideal geeignet. Unsere besondere Expertise liegt im Bereich der Formgebung und das Unternehmen bioregeneration hat bereits vier Patente angemeldet“, verdeutlicht Katharina Seiffe und man merkt der Begeisterung in ihrer Stimme an, dass sie am liebsten sofort im Labor weiter tüfteln würde.

Für die Junggründerin ist der Markt der Nano-Technologie nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht völlig faszinierend, sondern auch, weil die dort entstehenden Zukunftsprodukte die Lebensqualität vieler Menschen nachhaltig verbessern können: „Wenn man sich die wachsende Zahl von Gefäßerkrankungen anschaut, kann man ermessen, welch große Bedeutung Innovationen wie unsere für das Gesundheitssystem haben.“ Projekte wie die Nano-Entrepreneurship-Academies (NEnA) tragen ihrer Meinung nach dazu bei, die Entwicklungen innerhalb der Nano-Technologie gezielt zu fördern und es Frauen zu erleichtern, ihr Know-how in marktfähige Entwicklungen münden zu lassen: „NEnA ist ein optimaler Ansatz, um es Frauen zu erleichtern, ihre Ideen und ihre wissenschaftliche Expertise gezielt auch unternehmerisch zu vermarkten und damit die Innovationen im Bereich der Nano-Technologie zu beschleunigen.“

Frauenpower als Gründungspotenzial
Sich als Frau in einer sehr technologielastigen Branche durchzusetzen, fällt der jungen Unternehmerin nicht schwer: „Dass ich als gleichberechtigter Partner in allen Bereichen akzeptiert werde, ist keine Frage. Schließlich sind in der Medizintechnik besonders viele hochqualifizierte Frauen tätig und beispielsweise sind bei unseren Investorengesprächen die Gesprächspartner nicht selten weiblich.“ Auch innerhalb des Unternehmer-Teams funktioniert die Zusammenarbeit reibungslos, denn alle Beteiligten bringen unterschiedliche Fachkompetenzen ein, die sich ergänzen, und treffen alle geschäftlichen Entscheidungen gemeinsam. „Der Vorteil an einer Gründung im Team ist, dass man immer mehrere Meinungen hat und so unterschiedliche Blickwinkel auf Fragestellungen entwickeln kann. Hinzu kommt, dass unsere Arbeit von einem tiefen gegenseitigen Vertrauen getragen ist“, so Katharina Seiffe.

Schritt für Schritt zum unternehmerischen Know-how
Anfang 2008 will die Bioregeneration GmbH mit ersten Produkten, zunächst einmal Materialien für Forschungszwecke, auf den Markt kommen. Deshalb läuft die Werbung bei Kapitalgebern auf Hochtouren. „Am Anfang waren mir die unternehmerischen Aspekte noch eher fremd, aber Schritt für Schritt habe ich gelernt, worauf es ankommt“, erzählt die 26-Jährige. Zur Vorbereitung auf die Gründung nahm sie an der TU München an einer Vorlesung über „Innovative Unternehmen“ teil und besuchte ein Aufbauseminar zum Thema Businessplan, bei dem Praktiker die wichtigsten Kniffe vermittelten. „Unsere Teilnahme am Münchner Businessplan Wettbewerb, bei dem wir zwar nominiert wurden, aber leider nicht gewonnen haben, war ein wichtiger Meilenstein, denn die Kommentare der Experten haben uns sehr geholfen, unseren Geschäftsplan zu optimieren“, sagt die Entwicklungsingenieurin.

Dämpfer wie dieser sind für Katharina Seiffe nichts Besonderes und schaffen es auch nicht, ihre Aufbruchstimmung längerfristig zu trüben. „Wenn etwas nicht klappt, muss man das zur Kenntnis nehmen und dann eben nach neuen Wegen suchen“, sagt die Entrepreneurin realistisch. „Das gilt vor allem für die Finanzierung – und mein Rat an alle, die etwas Ähnliches vorhaben ist, sich nie auf nur eine Option zu verlassen, sondern zu versuchen, immer gleich mehrere Eisen im Feuer zu haben.“

In der Seed-Phase braucht es Venture Capital
Die Startphase bis zur Produktreife über Bankkredite zu finanzieren, kam als Alternative nicht in Frage. „Für die Seed-Finanzierung hat man keine Chance, eine Bank als Partner zu gewinnen“, weiß die Gründerin. Inzwischen ist das Bioregeneration-Team gerne gesehener Gast in der Münchner Venture Capital-Szene, verfügt über einige Kontakte zu Business Angels und hat sein Geschäftskonzept bereits mehrfach präsentiert. „So, wie die Dinge gerade laufen, könnten wir bald unsere erste Finanzierungsrunde erfolgreich abschließen. Die Kapitalspritze käme genau zum richtigen Zeitpunkt, denn einerseits drängen die Ideen der Gründer auf Umsetzung und andererseits ist es für die junge Forscherin nicht immer leicht, sich in der Phase zwischen Studium und unternehmerischem Erfolg, an den sie fest glaubt, über Wasser zu halten. „In wenigen Wochen muss ich aus dem Studentenwohnheim ausziehen und ich lebe natürlich auch mit dem finanziellen Risiko. Es ist aber ein großer Antrieb, möglichst bald von meinen Eltern finanziell unabhängig leben zu können“, erzählt sie freimütig.

NEnA kann den Markteintritt erleichtern
Für angehende Nano-Entrepreneurinnen ist es hilfreich, branchenspezifische Beratungsangebote zu nutzen, um ihren Projekten zum Durchbruch zu verhelfen, so die Erfahrung von Katharina Seiffe: „Angebote wie die Nano-Entrepreneurship-Academies vermitteln unternehmerisches Know-how in einem fachspezifischen Kontext, so dass man gebündelt die Hilfen erhält, die man als Nano-Start-up wirklich braucht. Ich selbst hätte von NEnA in der Anlaufphase unseres Unternehmens sicherlich schon profitieren können, denn ich habe viele Erkenntnisse durch Versuch und Irrtum gewonnen und das Experten- und Venture Capital-Netzwerk, in dem wir uns nun bewegen, mussten wir uns mit viel Einsatz selbst aufbauen. Ich wachse quasi mit dem Unternehmen mit, bin mir aber bewusst, dass ich mir durchaus noch viele Kenntnisse aneignen muss. Durch meine Teilnahme an NEnA II im März 2008 in Halle hoffe ich, über das NEnA-Netzwerk weitere hilfreiche und interessante Kontakte knüpfen zu können.“

Eigenverantwortung als großes Plus gegenüber dem Angestelltendasein
Den Schritt in eine Erfolg versprechende, aber unsichere Zukunft hat sie trotzdem noch keine Minute bereut. „Ich hatte ja nichts zu verlieren und sollte unsere Idee nicht funktionieren, kann ich ja immer noch Bewerbungen schreiben“, so ihr Plan B. Die einzigartigen Freiräume, die mit der Gründung einhergehen, möchte sie indes nicht missen: „Die Chance, ein Produkt von der ersten Idee bis zur Marktreife in allen Stadien zu begleiten und die damit verbundenen unternehmerischen Erfahrungen zu sammeln, hätte ich als Angestellte nicht bekommen. Alles, was ich hier anpacke, tue ich in eigener Verantwortung. Und was ich mache, fühlt sich absolut richtig an“, sagt Katharina Seiffe voller Begeisterung.

Die unternehmerische Vision der 26-Jährigen: „Unsere Xellulin-Implantate könnten die Gefäßchirurgie revolutionieren, denn unser Material vereinfacht Operationen und macht sie für die Patienten schonender. Ich könnte mir schon vorstellen, dass wir in ein paar Jahren in diesem Segment dann Marktführer sind.“