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Ulrike Kornmesser

„Eine Unternehmensgründung kam für mich eigentlich nie in Frage, aber wenn man erst einmal den ersten Schritt getan hat, entwickelt sich eine Eigendynamik, die einen vorwärts bringt“

Ulrike Kornmesser gründete 2003 im Alter von 32 Jahren die Cathi GmbH in Mannheim, die medizinische Simulatoren vertreibt. Die Universitäts-Ausgründung leistet seitdem einen wichtigen Beitrag bei der Revolutionierung der Kardiologenaus- und –weiterbildung und macht die Simulationsverfahren salonfähig.

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 „Ich konnte mir nie vorstellen, ein Unternehmen zu gründen, und dann ist es doch passiert“, erzählt Ulrike Kornmesser und lacht. Als die Physikerin 1999 mit ihrer Promotion am Institut für computerunterstützte Medizin der Universität Mannheim beginnt, ist ihr Antrieb, ein praxisnahes Projekt zu übernehmen. „Der Großteil aller Promotionen verstauben später im Regal. Ich wollte mit meiner Arbeit wirklich etwas bewirken“, erzählt die heute 38-Jährige selbstbewusst. Ihr Ziel: Einen Simulator für die Kardiologie zu entwickeln. Aus Sicht der Wissenschaft sind auch Fehlschläge oftmals ein Erkenntnisgewinn, und so war für die ambitionierte Wissenschaftlerin der spätere Erfolg nicht vorprogrammiert. Die Unternehmensgründung noch viel weniger, denn vielleicht gerade weil Ulrike Kornmesser in einem sehr gründungsfreudigen Umfeld promovierte – sechs Uni-Start-ups hatten vor ihr diesen Schritt bereits gewagt – war sie selbst eher skeptisch. „Wenn man so nah an Ausgründungen dran ist, bekommt man natürlich auch alle Fehlschläge mit, und davon gibt es beim Aufbau eines Unternehmens sehr viele. Das hat mich eigentlich eher abgeschreckt“, erzählt die Unternehmerin. Die Gründung der CATHI GmbH ist deshalb einer Mischung aus Zufällen zu verdanken, gepaart mit dem Biss einer jungen Wissenschaftlerin, die an das Potenzial ihrer Idee glaubt und den notwendigen Elan mitbringt, ihr auch am Markt zum Durchbruch zu verhelfen.

Auf Umwegen entsteht ein Unternehmen

Mit der Programmierung eines Simulators lässt sich in der Wissenschaftswelt kaum Anerkennung gewinnen. „Ein solches Thema in Fachzeitschriften zu lancieren, ist sehr schwer“, erklärt Ulrike Kornmesser. Veröffentlichungen sind jedoch das Brot der Wissenschaftler und so machte sich die Physikerin bereits 2001 daran, ihr Projekt der Öffentlichkeit vorzustellen. Auf den Messen Cebit und Medica präsentiert sie erste Modelle ihres Kardiologie-Simulators und spürt bald, dass in der Wirtschaft ein scharfer Wind weht. „Im nachhinein betrachtet, waren diese Erfahrungen von unschätzbarem Wert. Da auf diesen Fachmessen kaum Vertreter der potenziellen Zielgruppe waren, konnte ich mich richtig austoben und musste keine Angst haben, Fehler zu machen“, sagt die Gründerin. Die Fragen der Messebesucher zeigen der Physikerin schnell, welche ganz praktischen Aspekte bei ihrer Präsentation noch fehlen, so dass sie ihre Ansprache verbessern kann. Aus den vielen Messegesprächen ergeben sich zwar keine konkreten Aufträge für das fertige Produkt, aber die positive Resonanz ihrer Gesprächspartner zeigt der Wissenschaftlerin, dass in ihrem Projekt ein Marktpotenzial liegt. Im Jahr darauf macht Ulrike Kornmesser die Messetour ein zweites Mal und das Interesse an ihrem Simulator wächst.

Obwohl immer noch eher Gründungsskeptikerin, bewirbt sich Ulrike Kornmesser beim Programm „Junge Innovatoren“ des Landes Baden-Württemberg, das junge Wissenschaftler durch ein komplettes Förderpaket bei Ausgründungen unterstützt. Zusammen mit einem BWL-Kommilitonen erhält sie eine Förderung, die beiden Gründern jeweils eine halbe Stelle an der Universität finanziert, Räumlichkeiten und Infrastruktur abdeckt und verschiedene Coachings und Kurse beinhaltet. Und so fällt im Sommer 2003 der offizielle Startschuss für die CATHI GmbH.

„Ausgründungen aus der Wissenschaft bergen viele Herausforderungen, denn der Weg von der Forschung in die Wirtschaft kann sehr steinig sein. Die BMBF-Initiative NEnA unterstützt junge Wissenschaftlerinnen dabei, rund um ihre Forschungen ein tragfähiges Unternehmen aufzubauen. Mit unseren rund 150 Expertinnen und Experten aus der Gründungsberatung und –Förderung und dem Karrierenetzwerk nano4women, dem rund 300 Naturwissenschaftlerlinnen angehören, stehen wir den Gründerinnen bei der Entwicklung innovativer Forschungsideen für Geschäftsvorhaben zur Seite und erleichtern es ihnen, sich bei der Auswahl passender Beratungsprogramme zu orientieren“, so Prof. Ralf Wehrspohn, Projektleiter der bundesweiten Initiative NEnA, Nano-Entrepreneurship-Academy.

Bei der Finanzierung mit beiden Füßen auf dem Boden bleiben
Für Ulrike Kornmesser ist von Anfang an klar, dass sie sich für den Unternehmensaufbau nicht verschulden möchte, weshalb sie keine Kredite aufnimmt. Da sie im Rahmen ihrer Promotion, unterstützt durch wissenschaftliche Hilfskräfte und Diplomanden, bereits einen funktionsfähigen Simulator entwickelt hat, hat sie beste Voraussetzungen für den Start, weil sie gleich mit einem einsatzfähigen Prototypen antreten kann. „Eine solche Entwicklung würde in der freien Wirtschaft mehrere Millionen kosten“, so die Unternehmerin. Das Marketing muss der Start-up aus seinem Cash-Flow finanzieren. „Ich war anfangs so naiv zu glauben, dass unsere potenziellen Kunden die Simulatoren gleich kaufen, aber schnell hat sich herausgestellt, dass solche Investitionen in Höhe von rund 100.000 Euro eher die Ausnahme sind. Viel größer war der Bedarf nach Schulungen an unseren Geräten“, rekapituliert die heute 38-Jährige ihre ersten unternehmerischen Rückschläge. Die CATHI GmbH passt sich schnell dieser Nachfrage an und engagiert sich fortan stärker im Schulungsgeschäft. Als die Innovationsschmiede den festen Auftrag für die Lieferung eines Simulators vorliegen hat, versucht sie ihr Glück bei der Bank. „Wir wollten eine Zwischenfinanzierung in Höhe von 10.000 Euro, doch trotz Vertrag hat die Bank nur abgewunken“, so die ernüchternde Erfahrung der jungen Unternehmerin. Diese Zurückhaltung der Kreditinstitute bestärkt sie in ihrer Haltung, die CATHI GmbH weiter durch Wachstum aus eigener Kraft auszubauen.

„Wissenschaftsgründungen haben häufig einen enormen Finanzbedarf, denn oftmals dauert es allein mehrere Jahre, bis aus Forschungsergebnissen marktreife Produkte entwickelt werden können. Entrepreneurship-Programme der Universitäten und Förderprogramme des Bundes wie „Power für Gründerinnen“, in dem unsere NEnA-Initiative gestartet ist, können hier helfen, Start-ups die ersten Schritte auf ihrem Weg finanziell zu ebnen. NEnA unterstützt als Initiative Naturwissenschaftlerinnen dabei, einen zu ihrer Forschungsidee passenden Geschäftsplan zu entwickeln und zeigt auf, welche Förderprogramme am Markt existieren“, so NEnA-Projektleiter Prof. Wehrspohn.

Stärker im Team – wenn die Chemie stimmt

Für Ulrike Kornmesser war von Anfang an klar, dass sie für die Entwicklung ihres Unternehmens weitere Expertise benötigt. „Von rein betriebswirtschaftlichen Fragen oder auch Marketing verstehe ich wenig und ich habe auch ehrlich gesagt keine Lust, mich damit zu beschäftigen“, sagt sie. Deshalb bestritt sie die Gründungsphase gemeinsam mit einem BWL-Kommilitonen. Fachliche Synergien stellten sich auch ein, dennoch nicht in dem erwarteten Umfang. Nach nur einem Jahr trennten sich die Wege der beiden schon wieder. „Wir hatten zur weiteren Ausrichtung des Unternehmens und zur Vorgehensweise einfach zu unterschiedliche Ansichten“, so die ernüchternde Zwischenbilanz. Ein zweiter Versuch, den wirtschaftlichen Hintergrund des Unternehmens durch einen neuen Experten zu stärken, scheitert ebenfalls. „In einem kleinen Unternehmen ist man nicht nur Chef, sondern auch Mädchen für alles – eine Doppelrolle, mit der viele Menschen, die schon einmal in einem größeren Unternehmen gearbeitet haben, nicht zurecht kommen“, so die Erfahrung der Unternehmerin. Anfang 2005 steigt schließlich Ulrike Kornmessers Schwester in die Firma ein. Die Grundschullehrerin kümmert sich vor allem um die Schulungen am Simulator, macht die Kundenbetreuung und das Rechnungswesen, so dass Ulrike Kornmesser sich ganz ihrer Leidenschaft widmen kann: der Programmierung und der Weiterentwicklung des Simulators. „Wir beide sind ein schlagkräftiges Team, da wir am gleichen Strang ziehen, uns inhaltlich gut ergänzen und im Hinblick auf die Unternehmensausrichtung ähnliche Ansichten haben“, sagt die Physikerin.

„Nicht zuletzt für Start-ups aus der Wissenschaft kann die Gründung im Team vielerlei Vorteile bringen, denn um Innovationen erfolgreich auf den Markt zu bringen, braucht es nicht nur wissenschaftliches Know-how, sondern auch die Fähigkeit, die entwickelten Produkte angemessen zu vermarkten. Mit einem Team aus mehreren Gründerinnen und Gründern lassen sich diese notwendigen Qualifikationen leichter abdecken und die Herausforderung der Unternehmensentwicklung lastet nicht nur auf wenigen Schultern. Daher arbeitet auch unser Modell der Nano-Entrepreneurship-Academy damit, in Matchingprozessen vor und während der Akademie Persönlichkeiten, Geschäftsideen und Qualifikationen zusammenzubringen und auf diesem Weg schlagkräftige Gründerinnenteams zu formieren. Erfahrene NEnA-Coaches stehen diesen angehenden Gründerinnen in diesem Prozess zur Seite und ebnen ihnen den Weg zu hilfreichen Beratungsangeboten“, so NEnA-Projektleiter Prof. Ralf Wehrspohn.

Auch kleine Schritte führen zum Erfolg
Einen Marketingexperten sucht die CATHI GmbH immer noch, doch kann sich die Zwischenbilanz nach nunmehr sechs Jahren dennoch sehen lassen. „Erfolg heißt für mich, mehr einzunehmen als auszugeben“, lautet Ulrike Kornmessers Credo der Ausgabenzurückhaltung bis heute. Mit mehr als 500 Schulungen und mehreren verkauften Simulatoren ist das Unternehmen längst profitabel. „Wir haben am Markt in den letzten Jahren einen deutlichen Wandel gespürt. Während anfangs die meisten Ärzte mit dem Thema Simulation wenig anfangen konnten, weil sie es einfach gewohnt waren, direkt am Patienten zu lernen, interessieren sich heute mehr als 80 Prozent unserer Gesprächspartner für die Simulation“, so die Physikerin. Zwar buchen längst nicht alle dann auch Schulungen oder schaffen sogar einen Simulator an, doch arbeitet das Unternehmen auch mit Firmen aus der Medizintechnik und Pharmaindustrie zusammen und generiert so Aufträge und Projektgeschäft. „Zu unseren Kunden gehören beispielsweise Hersteller von Kathetern, die ihren Kunden, also den Medizinern, Simulationsschulungen sponsern“, erklärt die Unternehmerin.

Work-Life-Balance bedeutet, das Beste aus allem zu machen

Seit der Unternehmensgründung musste sich Ulrike Kornmesser vielen Herausforderungen stellen und wenn etwas nicht läuft, wie ursprünglich geplant, betrachtet sie das nur als Ansporn. Diese innere Flexibilität hilft ihr auch dabei, ihr Privatleben nicht dem Unternehmerinnendasein zu opfern. „Ich wollte immer Kinder haben und das nicht zu spät“, so die ambitionierte Wissenschaftlerin. Deshalb fielen Familien- und Unternehmensgründung fast zusammen und ihre beide heute drei und fünf Jahre alten Kinder wachsen gewissermaßen mit dem Unternehmen. „Ohne die Unterstützung meiner Mutter und die Rückendeckung meines Mannes, der meine Gründungsidee befürwortet hat, ginge das nicht“, weiß die 38-Jährige. Ihr Vorteil: An den Programmen des Simulators kann sie notfalls auch von zu Hause aus arbeiten.

Die Vision: Kardiologie-Simulationen revolutionieren
Obwohl Simulationen in vielen Branchen schon zum täglichen Geschäft gehören, hat Ulrike Kornmesser mit ihrem Kardiologie-Simulator völliges Neuland betreten. „Es ist einfach toll, ein solches Produkt zu entwickeln und es ständig zu verbessern“, sagt sie. Ihre Zukunftsvision ist, da ist sie ganz Wissenschaftlerin, nicht nur unternehmerischer Natur. „Mein Traum ist es, mit unserem Simulator einmal technisch die Reife zu erlangen, die heute beispielsweise bereits bei Flugsimulatoren Stand der Technik ist“, so die Physikerin. Ein Ziel, das, wenn es einmal erreicht ist, sicherlich auch auf der wirtschaftlichen Ebene Früchte trägt.

Zur Unternehmenswebsite: www.cathi.eu